HTC U12 life im Test: Schluss mit Putzen und Glasbruch?

Downgrade mit Augenmaß

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von Jan Kluczniok
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HTC U12 Life 10

Egal ob iPhone X oder Galaxy S9, aktuelle Top-Smartphones besitzen ein Gehäuse mit einer Rückseite aus Glas. Das sieht schick aus und sorgt für einen prächtigen Empfang. Leider ist das schönere Äußere schnell durch Fingerabdrücke zerstört, noch dazu sind die Handys äußerst rutschig und gleiten daher schnell aus der Hand. HTC will diese Probleme bei seinem 350-Euro-Handy U12 life mit einem neuen Glasdesign gelöst haben. Ist jetzt Schluss mit teuren Reparaturen und ständigem Putzen? Ein Test.

Inhaltsverzeichnis

  1. Design und Verarbeitung
  2. Display
  3. Prozessor und Ausstattung
  4. Software
  5. Sprachqualität und Akkulaufzeit
  6. Kamera
  7. Preis und Verfügbarkeit
  8. Fazit & Alternativen

Das iPhone X oder das Galaxy S9 sehen schick aus, ohne Frage! Wer eines der beiden Geräte aber einmal ein paar Minuten in der Hand gehabt hat, weiß, dass diese Schönheit vergänglich ist. Binnen weniger Minuten sind die Glasrückseiten der Handys mit glänzendem Fingerfett verdreckt, das sich nur mit einem Stofftuch oder einem kurzen Reiben an der Jeans entfernen lässt. Allerdings solltet ihr dabei vorsichtig sein, denn die Glasrückseiten sind rutschiger als ein Stück Seife und ein Glasbruch in Folge eines Sturzes kann teuer werden.

HTC zeigt nun mit dem U12 life, dass es auch anders geht. Das neue Mittelklassen-Smartphone des taiwanischen Herstellers ist ab Oktober 2018 für einen Preis von rund 350 Euro in Deutschland erhältlich. Dabei habt ihr die Wahl zwischen den Farben "Moonlight Blue" (Blau) und "Twilight Purple" (Lila).

Wie HTC beim U12 life Glasbruch und hässlichen Fingerabdrücken vorbeugen will, erfahrt ihr im folgenden Video oder in den nachfolgenden Zeilen.

HTC U12 Life Hamburg

Das U12 life bietet wie das Top-Modell U12+ ein 6-Zoll-Display, verpackt in einem Gehäuse mit Glasrückseite, die jedoch speziell bearbeitet wurde. Etwa zwei Drittel der Rückseite des Handys sind mit feinen Rillen versehen. Diese "3D Ultra Strips" wurden der Rückseite mittels Laser zugefügt und sind nur wenige Mikrometer tief, sorgen aber für einen deutlich besseren Grip. Legt ihr das U12 life auf eine glatte Oberfläche kommt es anders als Galaxy S9 und Co. nicht ins Rutschen.

Design und Verarbeitung

Die Riffelung soll zudem dafür sorgen, dass Fingerabdrücke nicht so stark zum Vorschein treten. Dieser Effekt war vor allem bei der Farbvariante "Moonlight Blue", einem dunklen Blauton sichtbar, war hier aber stark abhängig vom Winkel des Lichteinfalls. Mal waren die Abdrücke stärker, mal weniger stark zu sehen. Beim lilafarbenen Modell konnten wir unsere Fingerabdrücke bei jedem Licht mühelos erkennen.

Das obere Drittel der Rückseite wurde nicht mit dem Laser bearbeitet. HTC spricht daher von einem "Dual Finish Design". Entfernt erinnert das U12 life damit an das Google Pixel 2 XL. Warum verschont HTC das obere Drittel vor der "Verstümmelung" durch den Laser? Der taiwanische Hersteller will so die Vorteile der Glasrückseite behalten. Ihr könnt das U12 life dadurch etwa weiter als Schminkspiegel verwenden, wenn gerade kein richtiger zur Hand ist. Außerdem würden die Finger der Nutzer zumeist nur den unteren Teil der Rückseite berühren, sagt HTC.

HTC U12 Life in Bildern

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Das klingt zunächst schlüssig, die Begründung wird von HTC aber selbst ad absurdum geführt, da sich der Fingerabdrucksensor im unbearbeiteten Bereich der Glasrückseite befindet. Wer nicht aufpasst, wird also dennoch sein Smartphone mit hässlichen Tapsen verschandeln. Vor Glasbruch schützt euch das U12 life durch seine Rutschfestigkeit also weitestgehend, vor dem ständigen Putzen nur bedingt.

Dennoch finden wir den Ansatz löblich. Das Design ist zudem erfrischend anders. Verzichten müsst ihr aber leider auf eine IP-Zertifizierung. Auf diese hat HTC eigenen Aussagen zufolge verzichtet, um den Preis für das Handy zu senken. Dank einer Nanobeschichtung soll das Gerät aber immerhin wasserabweisend sein. Szenarien wie das Telefonieren im Regen oder ein umgestürztes Glas Wasser sollte das U12 life damit auch ohne IP-Zertifizierung meistern können.

Mit den Abmessungen 158,5 x 75,4 x 8,3 Millimetern ist das Handy nicht das kleinste 6-Zoll-Smartphone, liegt aber dennoch halbwegs gut in der Hand. Vom Formfaktor ist es vergleichbar mit dem OnePlus 5T.

Display

Während das U12 life in Sachen Design locker mit dem Top-Modell U12+ mithalten kann, müsst ihr bei der Hardware Abstriche machen. Allerdings fallen die Einschnitte verkraftbar aus. Wo hat HTC den Rotstift angesetzt? Beim Display schon einmal nicht. HTC setzt hier auf eine LTPS-Screen, der die Vorteile eines LC-Displays mit denen von OLED-Bildschirmen paart. So soll der Bildschirm weniger Strom verbrauchen als herkömmliche LCDs und höhere Kontraste bieten.

Im Sichttest weiß der Screen zu gefallen. Die Darstellung ist scharf, die Farben satt und die Blickwinkel fallen groß aus. Bei einem Aufenthalt im Freien ließ sich der Bildschirminhalt des U12 life im Test trotz Sonneneinstrahlung noch ablesen. Dennoch könnte die Anzeige unserem Geschmack nach noch etwas heller ausfallen.

Prozessor und Ausstattung

Auch der Prozessor dürfte für die meisten Nutzer im Alltag kein Downgrade darstellen. Hier setzt HTC nicht auf Qualcomms Top-Modell Snapdragon 845, sondern auf den etwas schwächeren Snapdragon 636. Dieser kommt unter anderem auch im Moto Z3 Play zum Einsatz.

Im Benchmark-Vergleich erreicht das HTC U12 life zwar keine Rekordwerte, bewegt sich aber auf dem Niveau der Konkurrenz. Im Alltag dürft ihr daher mit einer flüssigen Performance rechnen. Auch das Spielen von aufwendigen 3D-Spielen ist möglich. Hier müsst ihr dafür allerdings ein paar Abstriche bei der grafischen Darstellung machen.

Benchmark/Handy HTC U12 life Huawei Mate 20 Lite Moto Z3 Play OnePlus 6
GeekBench (Single-Core) 1.339 Punkte 1.603 Punkte 1.320 Punkte 2.448 Punkte
GeekBench (Multi-Core) 4.969 Punkte 5.559 Punkte 4.965 Punkte 9.071 Punkte
AnTuTu 116.837 Punkte kein Benchmark möglich 115.685 Punkte 264.828 Punkte

Zur Bewertung der Leistungsfähigkeit von Smartphones nutzen wir die Tools Geekbench und AnTuTu. AnTuTu ist wohl das populärste Tool zum Messen der Leistungsfähigkeit des eigenen Smartphones. Die App prüft nicht nur die Leistungsfähigkeit des Prozessors (CPU), auch andere Smartphone-Komponenten, wie die Grafikeinheit oder der Arbeitsspeicher, werden getestet. Geekbench fokussiert sich dagegen vor allem auf die Leistungsfähigkeit der CPU. Je höher die Punktzahl ausfällt, umso besser ist bei beiden Programmen das Ergebnis. Wollt ihr die Leistungsfähigkeit eures eigenen Smartphones testen, könnt ihr euch AnTuTu und Geekbench bei uns im Download-Archiv kostenlos herunterladen.

Dem Prozessor stehen im HTC U12 life vier Gigabyte Arbeitsspeicher zur Verfügung, auch dies entspricht dem aktuellen Standard in dieser Preisklasse. Gleiches gilt für den Gerätespeicher, der in Deutschland 64 Gigabyte groß ist. Ein HTC U12 life mit 128 Gigabyte gibt es zwar, wird zunächst aber nur in Taiwan verkauft. Mit WLAN ac, USB C, NFC und Bluetooth 5.0 sind auch alle aktuell wichtigen sowie kommende Standards an Bord und das HTC U12 life somit auch für künftige Einsatzszenarien wie das Bezahlen mit dem Handy gerüstet. Darüber hinaus bietet das Handy eine klassische Kopfhörerbuchse.

Software

Des Weiteren werdet ihr bemerkt haben, dass das U12 life anders als sein Vorgänger nicht mehr den Schriftzug Android One trägt, auch für das Google-Programm spart sich HTC offenbar die Lizenzgebühren. Auf regelmäßige Sicherheitsupdates könnt ihr beim neuen HTC-Handy also nicht bauen. Ab Werk läuft das U12 life aber immerhin mit dem halbwegs aktuellen Android 8.1 Oreo. Ein Update auf das kürzlich erschienene Android 9.0 Pie kündigte HTC zwar nicht explizit an. Wir gehen aber davon aus, dass dieses im Laufe des Frühjahres 2019 ausgerollt wird.

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Das Google-OS ist auf dem U12 life mit einer abgespeckten Version der HTC-Nutzeroberfläche Sense überzogen. Hier hat HTC vor allem einige doppelte Apps entfernt, so muss der Sense Companion beispielsweise dem Google Assistant weichen. Verzichten müsst ihr auch auf die Möglichkeit, das Gerät per Gesichtserkennung zu entsperren. Neben PIN, Passwort und Muster steht euch hierfür nur ein Fingerabdrucksensor auf der Rückseite zur Verfügung.

Sprachqualität und Akkulaufzeit

Das HTC U12 life besitzt zwei Mikrofone. Eins befindet sich an der Unter- das andere an der Oberseite des Geräts. Das obere Mikro dient zur Filterung von Nebengeräuschen, was dem Handy im Test sehr gut gelang. Unser Gesprächspartner nahm vorbeifahrende Autos an einer Hauptverkehrsstraße nicht wahr. Die eigene Stimme und die des Gegenübers klangen im Test dennoch klar und natürlich.

Zum Telefonieren benötigt ihr eine Nano-SIM-Karte. Wahlweise könnt ihr statt der SD-Karte in den Speicherkartenslot auch eine zweite Nano-SIM einlegen. Dann wird das U12 life zum Dual-SIM-Handy. Die SIM-Slots sind dabei gleichwertig.

Die Akkukapazität fällt mit 3.600 Milliamperestunden sogar höher aus als beim U12+. Wie lange hält das Handy mit einer Akkuladung im Alltag durch? Das Tool PCMark, mit dem wir üblicherweise die Akkulaufzeit testen, brach auf dem U12 life ohne erkennbaren Grund wiederholt ab. Wir müssen uns daher bei der Bewertung auf die Eindrücke aus unserem Testbetrieb verlassen. Hier zeigt sich die Batterie ausdauernd, was auch dem effizienten Mittelklasse-Prozessor zu verdanken ist. Mit einer Akkuladung solltet ihr problemlos durch den Tag kommen und je nach Nutzungsintensität sind auch bis zu zwei Tage ohne Stromzufuhr möglich.

Im Vergleich mit dem U12+ bietet das life zwar eine höhere Akkukapazität, HTC verzichtet aber auf die Nutzung von Qualcomms Quick Charge-Technik, stattdessen kommt eine nicht näher spezifizierte Schnellladetechologie zum Einsatz. Im Vergleich zu Quick Charge 3.0 (QC3) soll diese laut Hersteller zehn Prozent langsamer sein. Ein vollständiger Ladezyklus dauerte im Test rund 115 Minuten. Das BlackBerry Key2 mit vergleichbarer Akkukapazität sowie QC3-Unterstützung benötigt für den Ladevorgang dagegen nur knapp 90 Minuten. Wer sein Handy aber eh nur über Nacht lädt, dem dürfte dieser Unterschied egal sein.

Kamera

Anders als das U12+ bietet das U12 life nicht zwei, sondern nur eine Kamera auf der Frontseite. Diese löst mit 13-Megapixeln auf. Statt einer zweiten Kamera verbaut HTC auf der Front eine Foto-LED. Diese ermöglicht bessere Selfies bei schwachen Lichtverhältnissen. Auf der Rückseite findet ihr eine Dual-Kamera vor, die aus einer 16- und einer 5-Megapixel-Linse besteht und Fotos mit Bokeh-Effekt (Unschärfe im Hintergrund) ermöglicht. Sie bietet aber keinen optischen Zoom.

Der Unschärfe-Effekt arbeitet für die Preisklasse erstaunlich gut und erlaubte sich im Test nur minimale Fehler bei feinen Strukturen wie einzelnen abstehenden Haaren. Generell geht die Bildqualität für die Preisklasse in Ordnung. Bei ausreichend Licht gelingen brauchbare Fotos. In Innenräumen und bei schwachem Licht, nimmt die Bildqualität aber deutlich ab. Beim Sichttest am PC ist dann ein deutliches Rauschen erkennbar. Ein Low-Light-Handy ist das U12 life also nicht.

Was wir zudem bemerkten: Die Kamera arbeitet langsam. Zwischen Auslösen und dem Ablegen des Bildes im Speicher vergehen ein paar Augenblicke - vor allem, wenn ihr den HDR-Modus aktiviert. Das macht es mitunter schwer, sich bewegende Objekte optimal in Szene zu setzen. Für Landschaftsaufnahmen und Portraits würden wir euch aber auf jeden Fall empfehlen, HDR zu aktivieren, denn dann holt ihr aus der Kamera noch ein paar Prozent mehr raus. Die HDR-Bilder des U12 life bieten sichtbar mehr Details.

HTC U12 life: Kamera-Samples

6 Bilder
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Eine weitere Besonderheit: Mit der hinteren Kamera des Handys könnt ihr 4K-Videos aufnehmen. Diese Fähigkeit bieten nicht viele Smartphones in dieser Preisklasse. Ihr könnt euch anhand der Bilder in der Mediengalerie einen eigenen Eindruck von der Bildqualität des HTC U12 life machen.

Preis und Verfügbarkeit

Das HTC U12 life soll noch im Oktober hierzulande in die Läden kommen. Die unverbindliche Preisempfehlung für das Handy lautet 349 Euro.

HTC U12 life: Fazit

Innovatives Design, solide Hardware, lange Akkulaufzeit 8/10

Seit dem One mini hatte HTC mit seinen Mittelklassen-Modellen kein Glück. Die Geräte boten in den vergangenen Jahren oftmals eine schwächere Ausstattung als die Konkurrenz, waren aber deutlich teurer. Das ist beim HTC U12 life anders. Die Ausstattung bietet nur wenige kleinere Schwachpunkte, dazu glänzt das Handy mit einem innovativen und auffallenden Design. Wer auf Design Wert legt und ein solides Smartphone mit guter Akkulaufzeit für unter 400 Euro sucht, ist hier richtig.

Das hat uns gefallen

  • Design verleiht Glasrückseite mehr Grip
  • lange Akkulaufzeit
  • gute Sprachqualität

Das hat uns nicht gefallen

  • kein Quick Charge
  • Kamera arbeitet langsam
Testnote 8,0 von 10
Jan Kluczniok
Bewertet von Jan Kluczniok
9,0 / 10
Design und Verarbeitung

Design und Verarbeitung Designsprache, Farbauswahl, gewählte Materialien, Haptik und der so genannte Look & Feel des Geräts werden unter diesem Punkt bewertet.

8,0 / 10
Ausstattung und Bedienung

Ausstattung und Bedienung Display, Prozessor, Gerätespeicher, Betriebssystem und Nutzeroberfläche werden unter diesem Punkt bewertet.

8,0 / 10
Sprachqualität

Sprachqualität Wie klingen die Gesprächspartner? Gibt es Aussetzer in der Verbindung? Dies wird unter diesem Punkt bewertet.

9,0 / 10
Akkulaufzeit

Akkulaufzeit Lauf- und Ladezeiten des Akkus sowie die Bauweise (fest oder wechselbar) werden unter diesem Punkt bewertet

6,0 / 10
Multimedia

Multimedia Kamera, Lautsprecher sowie weitere Multimedia-Funktionen (zum Beispiel Infrarotsender) werden unter diesem Punkt bewertet.

Informationen zum Leihgerät

Das Testgerät wurde netzwelt leihweise von HTC für zwei Wochen zur Verfügung gestellt.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

Aktuelle Preise

Alle Preise verstehen sich inkl. MwSt. und ggf. zuzüglich Versandkosten. Details zu den Angeboten finden Sie auf der jeweiligen Webseite/Shop.

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9
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Bestenlisten

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Einsortierung und Informationen zum Leihgerät

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