Huawei Mate 20 Lite im Test: Die neue Mittelklasse-Referenz?

Hersteller setzt nun auch bei günstigeren Geräten auf KI

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von Jan Kluczniok
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Huawei Mate 20 Lite 9

Huawei bewirbt bei seinen Top-Smartphones eine Künstliche Intelligenz (KI), die euch beim Fotografieren unterstützen soll. Beim Mate 20 Lite kommt diese nun erstmals auch in einem Mittelklasse-Handy zum Einsatz. Macht das Mate 20 Lite dank KI bessere Bilder als die Konkurrenz? Ein Test.

Inhaltsverzeichnis

  1. Design und Verarbeitung
  2. Display
  3. Ausstattung und Performance
  4. Software
  5. Sprachqualität und Akkulaufzeit
  6. Kamera
  7. Preis und Verfügbarkeit
  8. Fazit & Alternativen
  9. Datenblatt

Mit dem Mate 20 Lite schickt der chinesische Hersteller Huawei einen günstigeren Ableger für sein Top-Smartphone Mate 20 ins Rennen. Der Vorgänger Mate 10 Lite konnte bei uns im Test im vergangenen Jahr keine Begeisterung entfachen. "Kamera und Ausstattung sind gemessen am vom Huawei ausgerufenen Preis aber nur mäßig", lautete damals unser Urteil.

Da trifft es sich gut, dass der chinesische Hersteller genau in diesen Bereichen beim Mate 20 Lite nachgebessert hat. Ob Huawei an den richtigen Stellschrauben gedreht hat oder das günstige Mate erneut enttäuscht, erfahrt ihr im Video oder in den folgenden Zeilen.

Huawei Mate 20 Lite im Video

Design und Verarbeitung

Optisch tanzt das Mate 20 Lite nicht aus der Reihe, sondern fügt sich nahtlos in Huaweis Smartphone-Portfolio ein. Huawei setzt bei der neuen Mate-Generation auf das mit der P20-Serie im Frühjahr eingeführte Design. Euch erwartet ein großer randloser Screen mit einem Seitenverhältnis von 19:9 und einer Einkerbung im oberen Bereich. Diese beherbergt die beiden Frontkameras des Handys und sorgt dafür, dass die Abmessungen des Gehäuses trotz der mit 6,3 Zoll immensen Bilddiagonale im Rahmen bleiben.

Das Mate 20 Lite ist in etwa so hoch wie das 5,5 Zoll große iPhone 8 Plus, aber einen Tick schmaler, sodass es sich bequem in die Hand schmiegt. Leider ist der Metallrahmen des Smartphones auf Hochglanz poliert und dementsprechend rutschig. Wir empfehlen daher, das Mate 20 Lite mit einem Case zu nutzen, um die empfindliche Glasrückseite zu schützen. Eine IP-Zertifizierung weist das Handy nicht auf. Ihr solltet Kontakt mit Wasser also möglichst vermeiden. Erhältlich ist das Mate 20 Lite übrigens wahlweise in Schwarz, Blau oder Gold.

Huawei Mate 20 Lite in Bildern

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Display

Wie eingangs erwähnt misst der Screen des Mate 20 Lite in der Diagonalen 6,3 Zoll. Auf dieser verteilt der chinesische Hersteller 2.340 x 1.080 Pixel, was eine gestochen scharfe Darstellung ergibt. Beim verwendeten Bildschirm handelt es sich um ein LCD-IPS-Panel. Wer das nicht weiß, glaubt aber mitunter, dass er einen AMOLED-Screen vor sich hat, so kräftig und lebendig wirken die Farben. Im Test überzeugte der Screen auch mit großen Blickwinkeln und einer guten Ablesbarkeit im Freien.

Ausstattung und Performance

Als Prozessor dient im Huawei Mate 20 Lite der neue Octa-Core-Chip Kirin 710 aus der hauseigenen Chipschmiede HiSilicon. Es ist der Nachfolger des Kirin 659, der bislang als Antrieb für die Mittelklasse-Handys von Honor und Huawei fungierte. Bei der Namensgebung hat sich der Hersteller offenbar von Konkurrent Qualcomm inspirieren lassen. Dieser hat mit dem Snapdragon 710 einen Prozessor für die Mittelklasse vorgestellt, der eine Performance auf dem Niveau von Topmodellen liefern soll.

Dies dürft ihr vom Kirin 710 nicht erwarten. Unseren Benchmark-Tests liefert er eine Performance, die sich zwischen den bisherigen Mittelklasse-CPUs Snapdragon 636 (Moto Z3 Play) und Snapdragon 660 (BlackBerry Key2) von Qualcomm bewegt. Mit den höchsten Grafikeinstellungen könnt ihr PUBG Mobile, Fortnite und Co auf dem Mate 20 Lite demnach nicht spielen. Dennoch ist die Rechenpower mehr als ordentlich.

Benchmark/Handy Huawei Mate 20 Lite Moto Z3 Play BlackBerry Key2 OnePlus 6
GeekBench (Single-Core) 1.603 Punkte 1.320 Punkte 1.612 Punkte 2.448 Punkte
GeekBench (Multi-Core) 5.559 Punkte 4.965 Punkte 5.448 Punkte 9.071 Punkte
AnTuTu kein Benchmark möglich 115.685 Punkte 140.997 Punkte 264.828 Punkte
3D Mark (Sling Shot Extreme Open GL ES 3.1) 950 Punkte 944 Punkte 1.369 Punkte 4.621 Punkte

Erläuterung: AnTuTu ist wohl das populärste Tool zum Messen der Leistungsfähigkeit des eigenen Smartphones. Die App prüft nicht nur die Leistungsfähigkeit des Prozessors (CPU), auch andere Smartphone-Komponenten wie die Grafikeinheit oder der Arbeitsspeicher werden getestet. GeekBench fokussiert sich dagegen vor allem auf die Leistungsfähigkeit der CPU. 3DMark testet nicht nur den Prozessor, sondern auch die Grafikeinheit und lässt das Smartphone typische Szenen rendern, die auch bei 3D-Spielen auftreten. Je höher die Punktzahl ausfällt, umso besser ist das Ergebnis. Wollt ihr die Leistungsfähigkeit eures eigenen Smartphones testen, könnt ihr euch AnTuTu, 3DMark und Geekbench bei uns im Download-Archiv kostenlos herunterladen.

In Sachen Benchmark müssen wir noch anmerken, dass sich unsere üblicherweise verwendeten Test-Programme AnTuTu, GeekBench und PC Mark nicht auf dem Mate 20 Lite installieren ließen. Huawei hat die Geräte aus dem Testpool mit einer Sperre versehen, da diese bereits vor der offiziellen Ankündigung an verschiedene Redaktionen, unter anderem auch netzwelt, ausgeliefert wurden. Durch die Sperre wollte Huawei wohl unfreiwillige "Leaks" vorab verhindern. Leider ließen sich auch nach Ablauf des Embargos auf unseren Testgeräten nur das Tool 3DMark installieren. Die in der Tabelle angezeigten Werte für GeekBench stammen daher aus der Datenbank des Benchmark-Tools und wurden nicht von uns selbst gemessen.

Dem Kirin 710 stehen im Mate 20 Lite vier Gigabyte Arbeitsspeicher zur Verfügung, euch als Nutzer bietet das Handy 64 Gigabyte Speicher, dieser kann noch per microSD-Karte um bis zu 256 Gigabyte erweitert werden. Mehr Speicher bieten andere Handys in dieser Preisklasse auch nicht. Alternativ legt ihr in den Speicherkartenslot eine zweite SIM-Karte ein.

Auch die weitere Ausstattung kann sich sehen lassen. So unterstützt das Mate 20 Lite sowohl 2,4- als auch 5-Gigahertz-WLAN-Netzwerke und kommt auch mit dem schnellen WLAN-Stanadard ac zurecht. Dank NFC-Chip könnt ihr mit dem Handy bezahlen. Lediglich auf Bluetooth 5.0 müsst ihr verzichten. Das Mate 20 Lite unterstützt nur den älteren Standard 4.2.

Entsperren könnt ihr das Mate 20 Lite unter anderem per PIN oder Muster, wobei Huawei statt einer vierstelligen PIN nun eine sechsstellige verlangt. Wem das zu mühsam ist, kann auch den Fingerabdrucksensor auf der Rückseite nutzen. Dieser arbeitete im Test schnell und zuverlässig. Der Fingerabdrucksensor kann zudem nicht nur das Smartphone entsperren, sondern unter anderem auch als Auslöser für die Kamera fungieren.

Ebenso bietet das Mate 20 Lite die Möglichkeit, das Handy per Gesichtserkennung zu entsperren. Diese arbeitet aber wie bei den meisten Android-Handys rein zweidimensional und ließ sich im Test mit einem simplen Selfie überlisten. Zudem hatte das Mate 20 Lite im Dunkeln Probleme, unser Gesicht zu erkennen.

Software

Während das Mate 20 (Pro) mit Android 9.0 und der neuen EMUI-Version 9.0 in dem Handel kommt, wird das Mate 20 Lite noch mit Android 8.1 sowie der EMUI 8.2 ausgeliefert. Ein Update auf die neuere Android-Version ist aber fest eingeplant und dürfte im ersten Halbjahr 2019 erfolgen.

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Huaweis Nutzeroberfläche EMUI ähnelt in Optik und Bedienung stark Apples iOS. Was uns beim Mate 20 Lite gut gefällt, ist das intelligente Foto-Album. Das Handy analysiert aufgenommene Bilder und sortiert diese auf Wunsch nach Aufnahmeort oder Motiv. Leider schließt die Künstliche Intelligenz bei der Sortierung aber auch Screenshots ein. Schön wäre es, wenn man diese wahlweise ausschließen könnte.

Sprachqualität und Akkulaufzeit

In Sachen Sprachqualität weiß das Mate 20 Lite zu überzeugen. Die eigene Stimme und die des Gesprächspartners klangen im Test sehr natürlich und keinenfalls blechern. Autolärm wurde bei einem Testgespräch an einer viel befahrenen Straße weitestgehend erfolgreich unterdrückt. Lediglich Windgeräusche machten die Verständigung im Test schwer, dies kennen wir aber auch von anderen Mittelklasse-Smartphones.

Wie bereits im Abschnitt Performance erwähnt, war im Test die Nutzung von PCMark auf dem Mate 20 Lite nicht möglich. Statt einer exakten Laufzeit können wir daher nur unsere Erfahrungswerte zur Akkulaufzeit aus dem Test wiedergeben. Hier zeigte sich das Handy ausdauernd. Je nach Nutzungsintensität solltet ihr mit einer Akkuladung bis zu zwei Tage auskommen.

Leider verzichtet Huawei auf die Integration einer Schnellladetechnik. Dementsprechend dauert der Ladevorgang länger als bei manchem Konkurrenzmodell. Ein vollständiger Ladezyklus zog sich im Test über zwei Stunden hin. Drahtlos laden lässt sich das Mate 20 Lite übrigens nicht.

Kamera

Wie sein Vorgänger besitzt auch das Mate 20 Lite eine Dual-Kamera sowohl auf der Front- als auch auf der Rückseite. Diese ähneln sich in ihrem Aufbau. Huawei paart hier jeweils einen hochauflösenden Sensor mit einem niedrig auflösenden, der als Tiefenmesser fungiert. Die Dual-Kameras erlauben also keinen optischen Zoom, dafür aber zahlreiche Effekte - etwa Fotos mit Bokeh. Die maximale Auflösung der Frontkamera beträgt 24 Megapixel, die Hauptkamera bietet euch 20 Megapixel, der zweite Sensor löst jeweils mit 2 Megapixeln auf. Eine Leica-Zertifizierung besitzen die Linsen der Kameras im Gegensatz zu vielen anderen Geräten des Herstellers Huawei aber nicht.

Huawei Mate 20 Lite: Kamera-Samples

8 Bilder
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Dafür ist in der Kamera-App, die bereits vom Huawei P20 (Pro) bekannte "Master AI" verfügbar. Sie ist beim Mate 20 Lite aber nicht ab Werk aktiviert, sondern muss über einen Button in der App zugeschaltet werden. Sie soll laut Huawei über 200 Szenen erkennen. Im ersten Test klappte dies reibungslos. So erkannte das Mate 20 Lite Blumen als Pflanzen oder wählte bei Dunkelheit den Nachtmodus.

Die Master AI lässt sich aber auch übertölpeln, im Test wurde etwa ein Stofftier zunächst als Katze und dann als Hund erkannt. Generell gefielen uns auch nicht alle mit der Master AI fotografierten Bilder, die Farben sind hier oftmals übersättigt. Insgesamt weiß das Mate 20 Lite aber mit seiner Bildqualität zu überzeugen. Selbst bei schwachen Lichtverhältnissen gelangen uns im Kurztest noch brauchbare Aufnahmen. In der Mittelklasse zählt das Huawei-Handy definitiv zu den besten Kamera-Smartphones.

Die Möglichkeit, 4K-Videos aufzunehmen, bleibt aber vermisst. Dafür bietet das Handy aber sogenannte 3D Qmoji, diese erinnern an Animojis des iPhone X. Die Zunge herausstrecken können sie aber anders als ihre Apple-Kollegen nicht. Ihr könnt euch in der Mediengalerie selbst einen ersten Eindruck von der Qualität der Kameras des Huawei Mate 20 Lite machen.

Preis und Verfügbarkeit

Das Huawei Mate 20 Lite ist seit dem 7. September im Handel erhältlich. Die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers lautet 399 Euro.

Huawei Mate 20 Lite: Fazit

Viele Stärken, wenige Schwächen 8/10

Das Mate 20 Lite glänzt im Test mit einer ausgezeichneten Akkulaufzeit, guter Sprachqualität, einem farbstarken Display und einer für die Preisklasse guten Kamera - auch wenn die Master AI uns im Test nicht immer überzeugen kann. Die weitere Ausstattung fällt dem Preis angemessen aus. Alles in allem hat Huawei hier ein deutlich stärkeres Gesamtpaket geschnürt als noch vor einem Jahr. Den Mittelklassemodellen der Konkurrenz überlegen ist das Mate 20 Lite aber trotz "Künstlicher Intelligenz" nicht. Es sichert sich aber mühelos einen Platz in der Spitzengruppe.

Das hat uns gefallen

  • lange Akkulaufzeit
  • gute Sprachqualität
  • Kamera

Das hat uns nicht gefallen

  • keine 4K-Videos
  • nur Bluetooth 4.2
  • kein Quick Charging
Testnote 8,0 von 10
Jan Kluczniok
Bewertet von Jan Kluczniok
8,0 / 10
Design und Verarbeitung

Design und Verarbeitung Designsprache, Farbauswahl, gewählte Materialien, Haptik und der so genannte Look & Feel des Geräts werden unter diesem Punkt bewertet.

7,0 / 10
Ausstattung und Bedienung

Ausstattung und Bedienung Display, Prozessor, Gerätespeicher, Betriebssystem und Nutzeroberfläche werden unter diesem Punkt bewertet.

8,0 / 10
Sprachqualität

Sprachqualität Wie klingen die Gesprächspartner? Gibt es Aussetzer in der Verbindung? Dies wird unter diesem Punkt bewertet.

9,0 / 10
Akkulaufzeit

Akkulaufzeit Lauf- und Ladezeiten des Akkus sowie die Bauweise (fest oder wechselbar) werden unter diesem Punkt bewertet

8,0 / 10
Multimedia

Multimedia Kamera, Lautsprecher sowie weitere Multimedia-Funktionen (zum Beispiel Infrarotsender) werden unter diesem Punkt bewertet.

Informationen zum Leihgerät

Das Testgerät wurde netzwelt von Huawei für sechs Wochen zur Verfügung gestellt.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

Aktuelle Preise

Alle Preise verstehen sich inkl. MwSt. und ggf. zuzüglich Versandkosten. Details zu den Angeboten finden Sie auf der jeweiligen Webseite/Shop.

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Huawei Mate 20 Lite verglichen

Ihr seid euch unsicher, ob ihr das Huawei Mate 20 Lite kaufen oder lieber zu einem Konkurrenzprodukt greifen solltet? Die folgenden Vergleichstests helfen euch bei der Kaufentscheidung. Wir stellen hier das Huawei Mate 20 Lite seinen schärfsten Konkurrenten gegenüber.

Bestenlisten

Huawei Mate 20 Lite wurde in folgende Smartphone-Bestenlisten einsortiert.

Huawei Mate 20 Lite - Specs: Die technischen Daten im Überblick

Die nachfolgende Tabelle zeigt euch die wichtigsten technischen Daten des Huawei Mate 20 Lite im Überblick. Eine detaillierte Auflistung findet ihr im technischen Datenblatt, um das Huawei Mate 20 Lite mit anderen Smartphones zu vergleichen besucht unseren Handy-Vergleich.

Prozessor Huawei HiSilicon KIRIN 710
Display LCD IPS Color (16M) 1080x2340 px (6.3") 409ppi
RAM 6 GB
Gerätespeicher 64 GB
Akku 3.650 Milliamperestunden
Hauptkamera 20 Megapixel
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