Actioncam Insta360 One X im Test: Die phantastische 360-Grad-Sicht auf die Welt

Mit beeindruckender Bildstabilisierung und 5,7K-Aufnahme

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von Michael Knott
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Die Insta360 One X hinterlässt im Test einen sehr guten Eindruck.

Die Bildstabilisierung der 360-Grad-Kamera Insta360 One X erreicht die Qualität eines guten Gimbals und überzeugt uns im Test. Doch die Actioncam hat noch viel mehr drauf. Sie lässt automatisch den Selfie-Stick aus dem Bild verschwinden und nimmt Videos in 5,7K auf. Und wer will, lässt den Nachfolger der Insta360 One an einem Nylonfaden über den Kopf kreisen - Bullet Time!

Inhaltsverzeichnis

  1. Was kann die Kamera?
  2. Der reine Foto-Modus
  3. Video-Modus
  4. FlowState-Bildstabilisierung: Der wahre Star der One X
  5. Software und Bedienung
  6. Wie die Bilder von der Kamera ins Netz gelangen
  7. Das ist uns sonst noch aufgefallen
  8. Fazit & Alternativen

Sicherlich seid ihr schon einmal über 360-Grad-Fotos gestolpert, bei denen ihr mit dem Finger auf dem Smartphone-Display oder mit Hilfe des Mauszeigers die Perspektive ändern könnt. Wir haben ja auch schon einige 360-Grad-Kameras für euch getestet. Ganz neu ist die One X von Insta360, die wir an dieser Stelle ausprobieren. Sie lässt sich als Nachfolger der Insta360 One bezeichnen, die aber nach wie vor noch erhältlich ist.

Was kann die Kamera?

360-Grad-Kameras nehmen sowohl Videos als auch Fotos aus ungewohnter Rundumsicht auf. So auch das 460 Euro teure Testgerät, das dazu zwei Linsen, jeweils eine auf der Vorder- und Rückseite des Gehäuses, trägt. Die Fotos und Videos, die dabei herauskommen, sehen spektakulär oder einfach nur witzig aus. Das nachfolgende Bild entstand etwa aus unserem Büro-Fenster mit der One X.

Fotos wie diese bestehen aus mehreren zusammengefügten Einzelaufnahmen (Stitching). Da es sich um zwei Fisheye-Objektive handelt, ist der aufgenommene Bereich riesig, liegt bei fast 360 Grad. Die Aufnahmetechnik erlaubt zudem das Ändern der Blickwinkel. Streicht einmal über das eingebundene Bild mit dem Finger oder bewegt die Maus entsprechend, schon eröffnen sich neue Perspektiven. Ihr könnt sogar in das Foto hinein zoomen.

Oben rechts könnt ihr zudem die Grund-Optik verändern. Zur Auswahl stehen "Normal", "Fisheye", "Planet" und "Ball". Wie ihr vielleicht bemerkt habt, wird die eigentliche Kamera aus dem Bild automatisch von der Software retuschiert. Sie ist genauso unsichtbar, wie der optional erhältliche Selfie-Stick, an dem das Testgerät bei den Aufnahmen befestigt war. Dieser zeigt sich jedoch häufig noch im Schatten, wenn die Sonne entsprechend steht.

Der reine Foto-Modus

Fotos nimmt die One X mit einer Auflösung von 18 Megapixeln auf. Auf Wunsch landen die Bilder auch im RAW-Format auf der eingelegten microSD-Karte. Drei verschiedene Modi stehen euch zur Verfügung: HDR, Intervall und Normal. Letzterer ist selbsterklärend, wir haben jedoch keine Möglichkeit gefunden, die Auflösung direkt an der Kamera zu verändern. Praktischerweise rechnet die One X den verbleibenden Speicherplatz in noch mögliche Bilder um. Ihr seht so auf einen Blick, dass unter den aktuellen Einstellungen beispielsweise noch 100 Fotos möglich sind, bis der Speicher voll ist.

Die Zahl der möglichen Aufnahmen sinkt deutlich, wenn ihr in den HDR-Modus wechselt - klar, immerhin werden nun mehrere Aufnahmen hintereinander mit unterschiedlichen Belichtungsstufen (in der App einstellbar) angefertigt. Gleiches gilt für den Intervall-Modus.

Die Bildqualität überzeugt größtenteils. Es kommt im Vergleich zu Kompaktkameras der Mittelklasse in dunklen Bildabschnitten schneller zu Bildrauschen und man merkt, dass Insta360 im Prinzip Smartphone-Chips und nicht etwa einen 1-Zoll-Sensor verbaut. Aber die Ergebnisse können sich dennoch sehen lassen.

Die Bildkomposition stellt den Fotografen übrigens nur bedingt vor Herausforderungen. Denn hier gilt das Motto: Erst draufhalten und später am Rechner oder über die App den passenden Bildausschnitt festlegen. Das ist das praktische an 360-Grad-Aufnahmen. Passenderweise bietet die für iOS und Android kostenlos erhältliche App für diesen Zweck eine Screenshot-Funktion an. Auch die typischen Filter sind direkt in die App integriert. So lassen sich herkömmliche Bilder ganz regulär als JPEG auf dem Smartphone speichern. Zum Teilen eines 360-Grad-Fotos lest ihr weiter unten mehr.

Video-Modus

Bewegtbilder fängt das Testgerät in unglaublichen 5,7K bei 30 Einzelbildern in der Sekunde (Frames per Second / FPS) ein. Das klingt nach der ultimativen Videoauflösung! Die vergleichsweise hohe Auflösung ist jedoch gerade bei 360-Grad-Kameras notwendig, da sie ja im wahrsten Wortsinn in alle Richtungen gleichzeitig filmt. Unser Testvideo auf dem Fahrrad wurde mit dieser hohen Auflösung eingefangen. Nicht die optimale Wahl, da hier eine höhere Framerate wünschenswert gewesen wäre. So kommt es öfters zu leichtem Bildstottern.

Wir haben dieses Sample-Video der Insta360 One X mit der Option "Fixed Frame" hochgeladen. Dies bedeutet, dass die Möglichkeit den Blickwinkel zu ändern blockiert ist. Dies könnt ihr beim Upload frei entscheiden. Das Wasserzeichen lässt sich für den Upload in soziale Medien übrigens ausblenden.

Schaltet ihr auf 4K-Aufnahmen um, erhöht sich die Framerate auf 50 FPS, die Videos werden merklich flüssiger. Für höchst actiongeladene Szenen steht darüberhinaus noch ein 3K-Modus mit 100 FPS und ein Zeitlupenmodus zu Verfügung. Ihr könnt eure Clips direkt am Handy schneiden und mit Musik unterlegen. Letzteres ist meist notwendig, da die Aufnahmequalität des eingebauten Mikrofons eher dürftig ist. Im Freien trüben zudem oft heftige Windgeräusche den audiophilen Spaß.

FlowState-Bildstabilisierung: Der wahre Star der One X

Die softwarebasierte Bildstabilisierung, die Insta360 FlowState nennt, leistet im Test ganze Arbeit. Die Ergebnisse sind wie vom Hersteller versprochen tatsächlich grob vergleichbar mit denen eines klassischen Gimbals. Einen Vergleich zwischen der Insta360 One X, der GoPro Hero 7 und der Sony FDR-X3000 konnten wir mangels Testgeräten noch nicht durchführen. Diese Gegenüberstellung hat der Hersteller aber offenbar schon vor dem Release der One X vorgenommen. Er ist im folgenden YouTube-Video zu sehen.

Da das Video vom Hersteller angefertigt wurde, halten wir uns mit einer Wertung zurück. Wir können aber mit Sicherheit folgendes sagen: Egal ob ihr die One X auf einem Fahrrad-, Jetski-, Motorrad- oder Skateboard-Helm montiert - das Ergebnis ist eine butterweiche Kamerafahrt, fast wie auf Schienen. Wem das schon zu viel des Guten ist, der kann die Funktion deaktivieren.

Software und Bedienung

Die Verbindung zwischen Kamera und Smartphone erfolgt per Bluetooth und einem von der One X aufgebauten WLAN. Alternativ lässt sich die Actionkamera per Kabel mit dem Handy verbinden. Selbstverständlich könnt ihr die Kamera auch völlig ohne Smartphone einsetzen und Fotos und Videos auf der eingelegten microSD-Karte abspeichern. Die Aufnahmekontrolle fällt dann schwer. Das OLED-Display, was sich bei Sonnenlichteinfall nur schwer ablesen lässt, liefert lediglich Informationen zum Betriebsstatus und fungiert nicht als Live-Sucher.

Für die grundlegende Steuerung stehen auf der One X zwei Tasten bereit. Das Hangeln durch die Menüs ist damit gewöhnungsbedürftig, funktioniert aber prinzipiell gut. Bequemer geht dies per App.

Die passende Software erlaubt zahlreiche weitere Einstellmöglichkeiten. Bei lokal gespeicherten Videos könnt ihr zum Beispiel die Perspektive verändern (Viewfinder) oder Punkte markieren, zu denen die Kamera beim Abspielen des Videos automatisch schwenken soll (Pivot Point). So stellt ihr sicher, dass eure Zuschauer vor lauter Begeisterung über ein 360-Grad-Video interessante oder wichtige Stellen im Bild nich verpassen.

Wie die Bilder von der Kamera ins Netz gelangen

Wenn ihr die Kamera über das im Lieferumfang enthaltene Kabel mit dem Rechner verbindet oder alternativ die microSD-Karte in einen Kartenleser einlegt, dann stoßt ihr auf Dateien mit der Endung .insv beziehungsweise .insp. Damit lässt sich ohne Zusatzsoftware nicht viel anfangen.

Insta360 One X (2018) in Bildern

7 Bilder
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Einfacher ist es, die mit der One X aufgenommenen Bilder und Videos direkt über das Smartphone zu teilen. Dies funktioniert ganz einfach mit Hilfe der App. Ihr könnt auf dem Smartphone gespeicherte Videos und Bilder auf einer Community-Seite des Herstellers veröffentlichen. Als Alternative stehen Facebook, Instagram, WhatsApp, YouTube, Google Street View, Facebook Messenger und Twitter zur Auswahl. Immer lassen sich Clips und Fotos darüberhinaus lokal auf dem Smartphone ablegen.

Wer sein Video nicht gleich mit der ganzen Welt teilen möchte, kann sich zudem einen Link generieren lassen und diesen per E-Mail verschicken. Bei der Veröffentlichung in Sozialen Netzwerken kann es Einschränkungen geben, sodass etwa nicht alle Perspektiven zur Verfügung stehen. Teilt ihr ein Video etwa auf Instagram, ist der Blickwinkel fix vorgegeben. Bei Bildern gibt es in der Regel weniger Einschränkungen.

Das ist uns sonst noch aufgefallen

  • Über die App könnt ihr ein Livevideo starten und dieses direkt auf Facebook veröffentlichen. Dazu muss die Kamera in jedem Fall über Kabel mit der One X verbunden sein.
  • Sowohl Kamera als auch die zugehörige App stürzten während der Testphase mehrfach ab. Wir haben jedoch auch ein Vorserienmodell der Insta360 One X getestet. Die Abstürze (nur durch das Entfernen des Akkus lösbar) sowie einige Übersetzungsfehler sollten zum Launch der Kamera behoben sein.
  • Beim Ausprobieren des "Bullet Time" genannten Features machte sich die One X aus Versehen selbstständig, da wir den Nylonfaden losließen. Die Kamera rutschte mehrere Meter über den Boden, nahm aber keinen Schaden. (siehe Bildergalerie).
Spezifikationen Actioncam Insta360 One X
Blende F2.0
Gewicht 90.9g (Ohne Batterie) 115g (Mit Batterie)
Dimensionen 115x48x28 mm (DxWxH)
Fotoauflösung 6080*3040 (18MP)
Videoauflösung 5760*2880@30fps
3840*1920@50fps
3840*1920@30fps
3008*1504@100fps
Fotoformat insp, jpeg (kann über die App exportiert werden), RAW (dng)
Videoformat insv, mp4 (kann über die App exportiert werden), LOG
Videocodierung H264
Fotomodi Standard 360 Fotos Zeitgesteuerte 360 Fotos Intervall 360 Fotos RAW 360 Fotos HDR 360 Fotos
Videomodi Standard 360 Video Zeitraffer Modus Bullet-Time LOG 360 Video
Live-Streaming 360 Live-Streaming FreeCapture Live (Steuerbare Perspektive)
EV -3EV~+3EV
Belichtungsmodi Automatisch
Manuell (Verschluss 1/8000s-120s, ISO 100-3200)
Verschlusspriorität (1/8000s-2s)
ISO-Priorität (100-3200)
Weißabgleich Automatisch, Bewölkt, Sonnig, Fluoreszierend, Glühlampe
Batteriekapazität 1200mAh (5V2A)
Akkulaufzeit Für Aufnahmen in 5,7K @ 30FPS oder 4K @ 50FPS ONE X etwa 60 Minuten
Ladezeit 100 Minuten mit einem 5V/2A Ladegerät
Lademethode Micro-USB
Wi-Fi 5G (Standard-Reichweite von ca. 20 Metern)
USB Micro-USB
SD-Karte Empfehlung von UHS-I V30 Geschwindigkeitsklasse
exFAT(FAT64) Format
Die maximale Speicherkapazität beträgt 128 GB.
Preis 459 Euro (UVP)

Hinweis: In einer früheren Version dieses Testberichtes stand, dass sich das Wasserzeichen beim Upload der Videos in soziale Netzwerke nicht deaktivieren lässt. Dem ist nicht so. Eine entsprechende Option findet sich in den Einstellungen. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen. Der entsprechende Absatz wurde korrigiert.

Insta360 One X: Fazit

Faszinierende Blickwinkel 8.6/10

Das Fotografieren und Filmen mit der Insta360 One X macht verdammt viel Spaß und die Ergebnisse können sich sehen lassen. Den Vergleich zur starren Actioncam gewinnt die One X spielend. Dank der robusten Verarbeitung darf sie ruhig mal auf den Boden fliegen. Die Akkulaufzeit von maximal 60 Minuten unter Idealbedingungen könnte länger und die Qualität des eingebauten Mikrofons besser sein. Für uns steht jedoch fest: wenn Actioncam, dann eine 360-Grad-Kamera wie die Insta360 One X. Empfehlung!

Das hat uns gefallen

  • Aufnahmen mit Wow-Effekt
  • gute und robuste Verarbeitung
  • schnell wechselbarer Akku
  • Bildstabilisierung

Das hat uns nicht gefallen

  • schwaches Display
  • kurze Akkualaufzeit
Testnote 8,6 von 10
Michael Knott Team-Bild
Bewertet von Michael Knott
8,0 / 10
Handhabung

Handhabung Verarbeitung, Haptik, Bedienkomfort, Einstellräder, Tastenbelegung

9,0 / 10
Foto

Foto Objektiv, Verschlusszeit, Blitzsynchronisationszeit, Blende, Sensor, Lichtempfindlichkeit

9,0 / 10
Video

Video Auflösung, Full HD, 4K, Bildrate, Containerformate, Mikrofon, Lautsprecher,

4,0 / 10
Display/Sucher

Display/Sucher Sucher, Auflösung, Größe, Dreh- und Schwenkbar, Wiedergabequalität

8,0 / 10
Bildqualität

Bildqualität Dynamikumfang, ISO-Rauschen, Bildeindruck, Schärfe, Farbwiedergabe

Informationen zum Leihgerät

Die One X wurde uns von Insta360 zur Verfügung gestellt.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

9
Leserwertung

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Bestenlisten

Insta360 One X wurde in folgende Digitalkamera-Bestenlisten einsortiert.

Vergleich: Die besten 360-Grad-Kameras
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