The Witcher 3 - Wild Hunt - Test: Eine Liebeserklärung an die Einsamkeit

CD Projekt REDs Antwort auf Spaghettiwestern

von Thomas Freund
The Witcher 3: Wild Hunt im Test.

Mit The Witcher 3: Wild Hunt steht für Rollenspieler dieses Jahr wohl ein absoluter Pflichttitel ins Haus - oder war der ganze Hype im Vorfeld nur Schall und Rauch? Ich habe mich auf Geralts treues Ross Plötze geschwungen und mir das ambitionierte Actionrollenspiel von CD Projekt RED ganz genau angeschaut.

Ich komme nach Hause, in der Hand mein Schatz: The Witcher 3 auf Disc. Schon die Bahnfahrt heimwärts kam mir wie eine quälende Ewigkeit vor, doch die Tortur der Vorfreude sollte zu Hause noch nicht vorbei sein, denn der Hexer streikt wie eine Handvoll GDL-Mitarbeiter. "Dieses verdammte Kackspiel!", fluche ich "Jetzt schaue ich mir schon zum tausendsten Mal diese dämliche Introsequenz an!" Aber nach dieser lädt das Spiel einfach ununterbrochen, ohne dass etwas passiert. Völlig frustriert lösche ich alle Spuren des Hexenmeisters von meiner PS4, lege die Disc erneut ein und plötzlich finde ich mich in einer wunderschönen Fantasywelt wieder, die vermutlich all meine sozialen Verpflichtungen der nächsten Monate platzen lässt (und ja, die Introsequenz kann ich mittlerweile mitsprechen).

Mit eurem Kollegen Vesemir macht ihr anfangs Kneipen unsicher.
Mit eurem Kollegen Vesemir macht ihr anfangs Kneipen unsicher. (Quelle: CD Projekt RED / Screenshot netzwelt)

Ein Kampfsystem mit Macken

In The Witcher 3 schlüpft ihr in die Rolle des Hexers Geralt von Riva und macht euch auf die Suche nach eurer Verflossenen Yennefer und eurer Adoptivtochter Ciri. Beide Figuren werden bereits im Tutorial durch eine spielbare Traumsequenz geschickt eingeführt. In dieser werdet ihr auch feststellen, dass sich der Hexer ein wenig hakelig steuern lässt. Das Kampfsystem stellt eine enorme Verbesserung zum direkten Vorgänger dar, dennoch dauert es seine Zeit, um damit warm zu werden, weil sich Geralt einfach völlig unberechenbar verhält. Gerade Kämpfe in Räumlichkeiten können frustrierend werden, wenn ihr an Ecken hängen bleibt oder ständig ungewollt auf die Falschen losgeht. Auch habe ich die Wucht hinter den tadellos animierten Schwerthieben vermisst.

Positiv anzumerken ist aber, dass der Hexer passend zum jeweiligen Widersacher das richtige Schwert aus der Scheide zieht und euch somit die Wahl abgenommen wird, ob ihr den Feind mit Stahl oder Silber filetiert. Sehr viel Spaß könnt ihr auch mit den verschiedenen Zaubersprüchen und Tränken haben, diese kommen jedoch durch einen deutlich leichteren Schwierigkeitsgrad nicht mehr so oft zum Einsatz wie noch im zweiten Teil. Somit lässt The Witcher 3 auf dem Standardschwierigkeitsgrad ein wenig taktische Tiefe vermissen, gnadenloses Buttonmashing erfüllt meistens seinen Zweck.

Es kämpft jeder seine Schlacht allein.
Es kämpft jeder seine Schlacht allein. (Quelle: CD Projekt RED / Screenshot netzwelt)

Toshiro Mifune, Clint Eastwood und Geralt von Riva

Aber genug gemeckert, neben den offensichtlichen Schwächen - Technik und Kampfsystem - macht das Actionrollenspiel alles andere genau richtig. Und damit meine ich wirklich ALLES! Ich bin nur wenige Meter auf Plötze geritten und schon war es um mich geschehen. Die offene Welt ist wirklich authentisch, und ein grafischer Leckerbissen jagt dabei den nächsten. Manchmal habe ich mich einfach nur irgendwo hingestellt und geschaut. Der Natur gelauscht. In der Ferne hoppelnde Häschen beobachtet. Und obwohl die Witcher-Welt so voller Leben ist, fühlt ihr euch einsam und ausgestoßen. In den Dorfschaften lästern die Bewohner über euch, wollen nichts mit euch zu tun haben. Manche spucken euch an, beschimpfen euch als "Mutantenmonster".

The Witcher 3: Wild Hunt ist eine Liebeserklärung an die Einsamkeit und fängt damit genau die ruhige Stimmung von japanischen Jidai-geki und frühen Spaghettiwestern ein. Geralt ist ein einsamer Wolf, der seinen Weg mit Leichen pflastert, und trotz hartem Kern etwas für seine Mitmenschen übrig hat, auch wenn diese ihm fast ausschließlich Verachtung entgegenbringen. Ein wahnsinnig interessanter Charakter, der in der Videospielwelt seinesgleichen sucht.

The Witcher 3 - Wild Hunt: Test-Screenshots

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Fazit

Leider kann ich derzeit nur ein vorläufiges Fazit ziehen, da der Umfang von The Witcher 3 einfach überwältigend ist und ich den Eindruck habe, noch viel zu wenig gesehen zu haben. Abgesehen von technischen Problemen - das Spiel stockt in Zwischensequenzen und manchmal hat es einfach erfolglos minutenlang geladen - die ab und zu die Immersion stören, hat mich das Rollenspiel von Anfang an gepackt. CD Projekt RED setzt den Spielern nicht nur eine offene Welt vor, sondern hat diese so geschickt mit Leben gefüllt, dass ich einfach jede noch so kleine Ecke erkunden möchte. Die Dialoge sind allesamt grandios geschrieben und laden zum Zuhören ein. Die Quests könnten abwechslungsreicher nicht sein, ich hatte nie das Gefühl, dass ich einfach nur lieblos "grinde". Ich freue mich schon auf die nächsten Stunden, Wochen, Monate, in der die wertvolle Scheibe in meiner Konsole rotiert.

The Witcher 3: Wild Hunt - Launch-Trailer
The Witcher 3: Wild Hunt
10
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