Overwatch im Test: Heroes' Greedy Paradise

Review zu Blizzards Multiplayer-Shooter

von Thomas Freund
Overwatch Test

Eines vorweg: Overwatch ist kein MOBA-Shooter, auch wenn das vielerorts behauptet wird. Overwatch ist ein reiner, teambasierter Multiplayer-Shooter, der sich am ehesten mit Team Fortress 2 von Valve vergleichen lässt. Und wie unglaublich gut Overwatch ist, erfahrt ihr in unserem Test.

Inhaltsverzeichnis

  1. Masse mit Klasse
  2. Ade, K/D
  3. Expect No Mercy
  4. Das ist alles?
  5. Verachtenswertes Business-Modell
  6. Fazit

Zugegeben, zunächst tat ich mich furchtbar schwer, mit Overwatch warm zu werden, vor allem, weil ich nicht der größte Fan von Blizzard bin. Natürlich verstehe ich, warum der US-amerikanische Entwickler so viele Anhänger hat, aber weil ich mit Strategiespielen und MMORPGs nicht wirklich etwas anfangen kann, verschmähte ich Blizzards Spiele bisher. Abgesehen von Diablo, wer liebt Diablo nicht?

Dementsprechend gespannt war ich natürlich, einen Ego-Shooter von Blizzard zu sehen. Meinem absoluten Lieblingsgenre hatte sich die Software-Schmiede seit der Gründung im Jahre 1991 nämlich bis dato noch nicht gewidmet - und seit Overwatch frage ich mich ernsthaft, warum eigentlich nicht, denn Overwatch macht so vieles richtig, was andere Online-Shooter falsch machen.

Jeder Charakter von Overwatch spielt sich fantastisch.
Jeder Charakter von Overwatch spielt sich fantastisch. (Quelle: Screenshot netzwelt / Blizzard)

Masse mit Klasse

In Overwatch wählt ihr zu Beginn jeder Runde einen aus insgesamt 21 verfügbaren Helden aus. Obwohl alle Charaktere über einzigartige Fähigkeiten verfügen, lassen sich diese grob in vier Kategorien unterteilen: Offensiv, Defensiv, Tank und Unterstützung. Der gewählte Charakter kann während des Matches im Safehouse oder nach dem Ableben gewechselt werden - es ist also wirklich kein MOBA.

Zunächst überforderte mich die enorme Auswahl an Heroes, aber mit der Zeit und nach zahlreichen Online-Partien lernte ich jeden kennen - und komischerweise auch lieben. Normalerweise experimentiere ich in klassenbasierten Multiplayer-Shootern nicht sehr viel herum. Ich nehme für gewöhnlich einen Assault, der gut für "Midrange" ist und gut. Keine Experimente. Einfach eine AK47 oder FAL mit Scope, mehr wollte ich bislang nicht. Schnelle Kills reichten mir.

Am Ende eines jeden Matches können euch die Mitspieler bewerten.
Am Ende eines jeden Matches können euch die Mitspieler bewerten. (Quelle: Screenshot netzwelt / Blizzard)

Ade, K/D

In Overwatch gibt es Soldier: 76, einen Charakter, der eigentlich genau meinem oben beschriebenen Geschmack entspricht, nur ist das der langweiligste Hero von allen - und damit meine ich nicht das klischeehafte Design. Overwatch schafft es nämlich, dass viele Kills oder eine besonders gute K/D völlig nebensächlich werden. In Overwatch führen für gewöhnlich Spieler die Rangliste an, die viel Teamschaden geheilt oder gegnerischen Schaden geblockt haben - und das ist wirklich fantastisch. Natürlich werden Kills auch belohnt - und fast ausnahmslos in den Highlight-Videos nach einem Match gezeigt - nichtsdestotrotz liegt der Fokus des Spiels auf dem gesamten Team.

Overwatch wird dadurch zugänglich für jeden Spieler - und damit meine ich wirklich JEDEN Spieler. Wenn ihr beispielsweise Probleme mit dem Zielen habt, dann könnt ihr Charaktere wie Junkrat, Mercy oder Reinhardt spielen. Wenn ihr lieber ruhig, gelassen und tödlich aus dem Hinterhalt agiert, nehmt Hanzo oder Widowmaker. Es ist wirklich für jeden Spielstil der passende Hero vorhanden - und keiner fühlt sich dabei langweilig oder unnötig an, außer vielleicht Bastion, der hoffentlich bald gebufft wird.

Mercy wird auf dem Schlachtfeld von allen Mitspielern geliebt.
Mercy wird auf dem Schlachtfeld von allen Mitspielern geliebt. (Quelle: Screenshot netzwelt / Blizzard)

Expect No Mercy

Durch Overwatch habe ich beispielsweise meine Liebe zum Support entdeckt - und ich könnte mich nicht entscheiden, welcher der vier Unterstützungscharaktere mir am besten gefällt. Mit Mercy könnt ihr beispielsweise immer nur einen Mitspieler heilen oder dessen austeilenden Schaden erhöhen. Lúcio heilt mehrere Spieler in unmittelbarer Nähe gleichzeitig oder erhöht die Bewegungsgeschwindigkeit dieser. Es kommt immer auf die Situation an, die sich innerhalb eines einzigen Matches mehrmals ändern kann und genau das macht Overwatch so spannend.

Im Grunde spielt ihr nämlich immer den gleichen Spielmodus - entweder müsst ihr einen Punkt verteidigen oder einnehmen - aber durch das umfangreiche Helden-Raster fühlt sich nahezu jedes Match völlig anders an. Ich bin schon zum Scheitern verurteilten Partien beigetreten, nur um das Ruder in letzter Sekunde mit Mercy herumzureißen - mit Mercy! Einer Heldin, die auf sich allein gestellt schnell als Kanonenfutter endet, im Team mit einem Tank aber unverzichtbar wird.

Overwatch: Test-Screenshots

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Das ist alles?

Nach der ganzen Lobhudelei muss ich aber auch ein wenig Kritik loswerden, Overwatch ist nämlich nicht in jeder Hinsicht perfekt. Zum einen ist der Umfang aktuell noch ein wenig dürftig. Für 60 Euro (40 Euro für die PC-Version) serviert euch Blizzard zwölf Maps und vier Spielmodi. Das mag ganz ordentlich klingen, allerdings sind alle Modi sehr ähnlich, wenn nicht identisch. Es geht immer darum, einen Punkt anzugreifen oder zu verteidigen. Weitere Inhalte sollen aber zu einem späteren Zeitpunkt folgen - und für bekanntlich unterstützt Blizzard seine "Babies" über Jahrzehnte hinweg.

Zum anderen stören mich die vorhandenen Mikrotransaktionen gewaltig, obwohl diese rein kosmetischer Natur sind. In Overwatch bekommt ihr für jeden Levelaufstieg eine Lootbox, die unter anderem Skins, Logos, Emotes, Spraypaints oder Heldensprüche enthält - nur leider ist der Inhalt dieser Boxen sehr oft "für'n Arsch". Ich habe bislang ungefähr 20 Lootboxen geöffnet und dadurch gerade einmal sechs Skins erhalten - hässliche Spraypaints und Logos habe ich dafür schon mehr als genug. Niemand will Spraypaints.

Reinhardt kann dieses gewaltige Schild projizieren - und jede Menge Kugeln einstecken.
Reinhardt kann dieses gewaltige Schild projizieren - und jede Menge Kugeln einstecken. (Quelle: Screenshot netzwelt / Blizzard)

Verachtenswertes Business-Modell

Diese Lootboxen sind ein echtes Problem in Overwatch. Während euch das Spiel für alle möglichen Ingame-Aktivitäten belohnt, sind Levelaufstiege durch den miesen Inhalt der Lootboxen eher enttäuschend. Hinzu kommt, dass sich diese Kisten auch noch für Echtgeld kaufen lassen. Für 50 Kisten zahlt ihr 40 Euro - und das in einem Vollpreistitel. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich jemand einen Satz Lootboxen kauft, nur weil dieser jemand seit Ewigkeiten keinen Skin mehr "auf normalem Weg" freischalten konnte. Diese Mikrotransaktionen stören mich übrigens so sehr, das ich Overwatch in der Gesamtnote abwerten muss - und dass obwohl es spielerisch ein echtes Highlight darstellt.

Overwatch: Fazit

Reines Multiplayer-Crack mit schäbigen Free-to-Play-Elementen 9/10

Für mich ist Overwatch der beste Team-Shooter seit Left4Dead und noch immer frage ich mich, wie viel Zeit bei Blizzard wohl in Balancing und Polishing geflossen sind. Der Einstieg gelingt sofort - sogar bei Shooter-Hassern - das Meistern aller Heroes wird euch dennoch für lange Zeit sehr gut beschäftigen. Wenn Blizzard keine Mikrotransaktionen eingeführt hätte - und Levelaufstiege mehr Befriedigung bringen würden - wäre es ein echter Pflichtkauf geworden. So ist es nur ein verdammt guter Multiplayer-Shooter für Teamspieler.

Das hat uns gefallen

  • Keine Launch-Probleme
  • Schnelles Matchmaking
  • 60-FPS-Gameplay
  • Echtes Teamwork
  • Für Casuals und Hardcore-Spieler

Das hat uns nicht gefallen

  • Mikrotransaktionen
  • Inhalt der Lootboxen oft müllig
Testnote 9,0 von 10
Thomas Freund
Bewertet von Thomas Freund
10 / 10
Spielzeit

Spielzeit Wie lange ist die durchschnittliche Spielzeit? Wie viele Stunden kann ich Spaß am Multiplayer-Modus haben? Ein Punkt auf der Skala entspricht zehn Spielstunden.

10 / 10
Einstieg

Einstieg Wie einfach gelingt der Einstieg ins Spiel? Brauche ich eine enorme Eingewöhnungszeit? Ziehen sich die ersten Stunden durch lange Tutorials in die Länge? Lässt mich das Spiel ohne Anleitungen ratlos zurück?

10 / 10
Technik

Technik Wird das Spiel von Bugs geplagt? Beeinträchtigen starke Performance-Probleme das Spiel? Funktionieren die Online-Modi einwandfrei?

Informationen zum Spiel

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

9
Leserwertung

Hier könnt ihr das Produkt Overwatch selbst bewerten.

Die Leserwertung beträgt 9 von 10 möglichen Punkten bei 125 abgegebenen Stimmen.
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Bestenlisten

Overwatch wurde in folgende Videospiel-Bestenlisten einsortiert.

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