Splatoon - Test: Farbe frei!

Der neue Dauerbrenner für Wii U

von Sergej Jurtaev
Splatoon Test Teaser

Wenn Nintendo einen Shooter macht, dann muss schon zweimal hingeschaut werden, denn gewöhnlich kann das Ergebnis allemal nicht sein. Kein Wunder also, dass ihr in Splatoon statt mit scharfer Munition mit Farbe umherschießt und euch dank Tintenfisch-Verwandlung darin auch noch fortbewegt.

Nintendo ist im Onlinezeitalter angekommen, könntet ihr meinen, denn Splatoon soll vor allem eins bieten: ein frisches Online- und Mehrspielererlebnis, das es so noch nicht auf der Wii U gibt. Was damit gemeint ist, werdet ihr in zahlreichen Revierkämpfen erfahren - das ist der Modus, der hauptsächlich in Splatoon gespielt wird. Mit drei zufällig ausgelosten Spielern tretet ihr gegen ein anderes Vierer-Team an und versucht, so viel Farbe wie möglich an jegliche euch sichtbare Oberfläche zu kleistern - das Team mit dem größten Anteil gewinnt das Spiel.

Die gegnerischen Inklinge - so die Bezeichnung der Charaktere - abzuschießen bringt euch keinen direkten Vorteil. Indirekt hilft es aber, da ein getroffener Spieler an die Anfangsposition befördert wird und das umkämpfte Territorium erst einmal abtreten muss. Das verschafft Splatoon eine Intention, an die es sich anfangs zu gewöhnen gilt - ein sich bewegendes Ziel erscheint oftmals doch interessanter als die kahle Wand.

Der interessanteste Aspekt ist die Verwandlung in einen Tintenfisch, die ihr mit der linken Schultertaste ausführt. So seid ihr nicht nur deutlich schneller unterwegs, sondern überwindet auch steile Wände oder schlüpft durch Gitter - vorausgesetzt ihr taucht in eure Farbe ein. Befindet sich stattdessen die gegnerische Farbe zu euren Füßen, seid ihr vollkommen hilflos und leichte Beute für den Angreifer. Die Dynamik und Abhängigkeit zwischen Inkling- und Tintenfischform ist das, was Splatoon so reizvoll macht.

Splatoon - Bildstrecke

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Zwei Schritte vor, einen Schritt zurück

Nintendo hat es mal wieder geschafft. Splatoon ist frisch, innovativ und macht Laune ohne Ende! Glücklich wird damit aber nicht jeder, denn es ist ein reinrassiger Fun-Shooter ohne strategische Ansprüche. Ein kooperatives Onlinespiel ohne Voice-Chat? Das ist dann doch die falsche Richtung, Nintendo. Ihr könnt also weder vor noch während der Partien mit euren Mitstreitern kommunizieren. Dabei wäre das in Splatoon sehr nützlich gewesen, um Warnungen auszusprechen, Positionen zu verschieben oder Rollen zu verteilen - denn: Splatoon bietet eine Vielzahl verschiedener Waffen, die ihre Vor- und Nachteile haben.

Dafür, dass Nintendo sich auf das Onlinespiel konzentriert, fehlt es Splatoon an Umfang und Varietät. Neben dem Revierkampf gibt es eine ganze Zeit lang nichts, es lassen sich keine Einstellungen machen, und es gibt nur fünf verschiedene Arenen. Immerhin hat Nintendo angekündigt, das Spiel langfristig mit neuen und kostenlosen Inhalten zu versorgen.

Im Revierkampf sammelt ihr neben Geld, das ihr für neue Ausrüstungsgegenstände ausgeben könnt, auch Erfahrungspunkte. Ihr steigt momentan maximal bis Stufe 20 auf und habt mit jeder neuen Stufe Zugang zu neuen Waffen und Klamotten. Auf Stufe 10 gibt es dann auch endlich einen neuen Modus: den Rangkampf. Während im Revierkampf freudiges Durcheinander herrscht und ihr auf Gegner trefft, die in der Stufe deutlich höher oder niedriger sein können, tretet ihr im Rangkampf gegen ähnlich erfahrene Spieler an.

Im Rangkampf gilt es, einen vorgegebenen Bereich so lange wie möglich einzunehmen.
Im Rangkampf gilt es, einen vorgegebenen Bereich so lange wie möglich einzunehmen. (Quelle: Nintendo)

Alles andere als Beiwerk

Ein spaßiger Onlinemodus ist ja schön und gut, aber reicht das auch, um den vollen Preis zu rechtfertigen? Nicht ganz. Glücklicherweise denkt Nintendo auch an eine Einzelspielerkampagne, die nur beiläufig präsentiert wird, sich aber nicht zu verstecken braucht. Mit den circa 30 Level seid ihr zudem länger beschäftigt als zuletzt mit Kirby und der Regenbogen-Pinsel, das Anfang des Monats erschien. Auch weil es nicht das klassische Nintendo-Gehüpfe ist, unterhält die Kampagne sehr gut. In jedem Level werden neue Elemente oder Gegner eingeführt, die gewohnt kreativ sind, euch aber auch nur selten fordern.

Abseits davon gibt es einen lokalen Mehrspielermodus, bei dem leider nur zwei Spieler Hand anlegen dürfen. Ein Spieler schaut auf das Gamepad, der andere auf den Fernseher. Schade, dass sich in dieser Konstellation keine Onlinepartien bestreiten lassen. Die Steuerungsarten (Wii U Pro-Controller, Wiimote und Nunchuck), die lokal unterstützt werden, könnt ihr online nicht verwenden - hier funktioniert das Spiel einzig mit dem Gamepad.

Gezielt wird horizontal mit dem rechten Analogstick und vertikal mit der Bewegungssteuerung des Gamepads. Das funktioniert wunderbar und geht nach kurzer Einfindungsphase gut von der Hand. Wenn ihr ein Freund der klassischen Steuerung seid, lässt sich die Bewegungssteuerung aber auch ausschalten.

Nachtrag vom 31. August

Es vergeht keine Woche ohne irgendwelche neuen Ankündigungen zu Splatoon. Dass Nintendo Splatoon langfristig mit neuen Inhalten versorgen möchte, war demnach alles andere als nur eine leere Phrase. Das Spiel bietet mittlerweile jede Menge mehr als noch am Erscheinungstag!

Um es auf den Punkt zu bringen: Drei neue Modi, sechs neue Arenen, 17 neue Waffen, etliche neue Kleidungsstücke und weitere Anpassungen wurden integriert. Ihr dürft nun endlich mit Freunden eigene Partien nach euren Regeln austragen. Ebenso ist es erlaubt, mit Freunden gemeinsam online gegen andere zu spielen. Damit euch ja die Motivation erhalten bleibt, hat Nintendo die Levelgrenze von Stufe 20 auf Stufe 50 angehoben - das sollte euch eine ganze Zeit lang beschäftigen.

Im ersten Testlauf hat sich schnell abgezeichnet, welche Waffen von Spielern favorisiert werden. Hauptsächlich wurde auf den Farbroller gesetzt, was im Revierkampf mehr als sinnvoll ist. In den neuen Rangkampfmodi ist es aber zweitrangig, wie viel Farbe ihr auf den Asphalt bringt. Hier geht es eher darum, denn Gegner auf Entfernung zu halten oder ein Gebiet zu verteidigen, weshalb Kleckser- und Konzentrator-Waffen effektiver sind. Ihr solltet also alle Waffentypen verinnerlichen und von Situation zu Situation euer Arsenal wechseln.

Schade ist, dass ihr nicht immer den Rangkampfmodus spielen könnt, den ihr wollt. Außerdem nervt es, dass die Arenenauswahl trotz neuer Quantität immer noch auf zwei Arenen beschränkt ist.

Was bringen eigentlich die Amiibos?

Wie es sich für heutige Nintendo-Spiele gehört, unterstützt auch Splatoon die Amiibo-Figuren. Mit den Amiibos "Inkling Mädchen", "Inkling Junge" und "Inkling Squid" (nur in der Sammlerausgabe des Spiels enthalten) schaltet ihr den Herausforderungsmodus frei. Ihr schlüpft in die Rolle eurer Figur und absolviert je 26 Missionen, um neue Ausrüstungsteile freizuschalten. Leider sind die Missionen nichts weiter als die Level der Kampagne, die um eine Zeitbegrenzung erweitert wurden. Hier hätte ich gern etwas Neues gehabt, aber der Grat zwischen DLC-Charakter und netter Dreingabe ist bei den Amiibos ja bekanntlich sehr schmal. Immerhin könnt ihr euch über neue Ausrüstung freuen.

Splatoon: Fazit

Mario Kart bekommt Konkurrenz 8.5/10

Splatoon ist puristischer Spaß vom Feinsten! Der frische Ansatz hat mich direkt gepackt und Mario Kart 8 sowie Super Smash Bros. erst einmal aus dem Laufwerk verbannt. Bleibt nur das Ärgernis mit dem fehlenden Voice-Chat und den wenigen Optionen und Arenen im Onlinemodus. Während Letzteres langfristig erweitert werden soll, wird es bezüglich des Voice-Chats wohl kein Umdenken bei Nintendo geben. Das ist schade, hätte es das Spiel doch um eine weitere Finesse bereichert. Die stilsichere Optik, der Ohrwurm-Soundtrack und die solide Einzelspielerkampagne machen Splatoon ergänzend zu einem gelungenen Gesamtpaket und dem bis dato besten Wii U-Spiel dieses Jahr!

Das hat uns gefallen

  • frischer Mehrspieleransatz
  • motivierender Onlinemodus
  • gute Kampagne
  • audiovisuell überzeugend
  • läuft online ohne größere Probleme
  • viele Waffen und Ausrüstungsmöglichkeiten

Das hat uns nicht gefallen

  • kein Voice-Chat
  • wenige Arenen und Modi
  • Kampagne zu leicht
  • teilweise unfaire Konstellationen im Revierkampf
Testnote 8,5 von 10
Bewertet von Sergej Jurtaev
10 / 10
Spielzeit

Spielzeit Wie lange ist die durchschnittliche Spielzeit? Wie viele Stunden kann ich Spaß am Multiplayer-Modus haben? Ein Punkt auf der Skala entspricht zehn Spielstunden.

8,0 / 10
Einstieg

Einstieg Wie einfach gelingt der Einstieg ins Spiel? Brauche ich eine enorme Eingewöhnungszeit? Ziehen sich die ersten Stunden durch lange Tutorials in die Länge? Lässt mich das Spiel ohne Anleitungen ratlos zurück?

8,0 / 10
Technik

Technik Wird das Spiel von Bugs geplagt? Beeinträchtigen starke Performance-Probleme das Spiel? Funktionieren die Online-Modi einwandfrei?

Informationen zum Spiel

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

9
Leserwertung

Hier könnt ihr das Produkt Splatoon selbst bewerten.

Die Leserwertung beträgt 9 von 10 möglichen Punkten bei 73 abgegebenen Stimmen.
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Bestenlisten

Splatoon wurde in folgende Videospiel-Bestenlisten einsortiert.

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Einsortierung und Informationen zum Spiel

Es wurden die folgenden Schlagworte vergeben: Gaming, Testbericht, Konsole, Nintendo, Nintendo Wii U, Action, Videospiel, Third-Person-Shooter und Splatoon.

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