Unihertz Jelly (Pro) im Test: 2,45-Zoll-Smartphone für Sportler

Mini-Handy mit UKW-Radio ausprobiert

Jelly Pro Titelbild

Das Kickstarter-Smartphone Jelly (Pro) von Unihertz ist kleiner als zwei Streichholzschachteln und soll dennoch vieles bieten, was die Herzen von Android-Fans begehren. Was taugt das Jelly (Pro) im Alltag? Netzwelt steckte für euch den 2,4 Zoll kleinen Androiden in die Tasche und probierte es aus.

Inhaltsverzeichnis

  1. Design und Verarbeitung
  2. Ausstattung, Leistung und Bedienung
  3. Sprachqualität
  4. Akkulaufzeit
  5. Multimedia
  6. Preis und Verfügbarkeit
  7. Fazit & Alternativen

Via Kickstarter wurden bereits einige ungewöhnliche Projekte realisiert. Mit dem Unihertz Jelly (Pro) kommt nun ein weiteres hinzu. Das Smartphone ist gerade einmal so groß wie zwei Streichholzschachteln. Dennoch bietet es mit LTE, Dual-SIM, microSD-Slot, GPS und einer fast puren vorinstallierten Android 7.0-Version einen breiten Funktionsumfang, den nicht jedes Budget-Smartphone aufweisen kann.

Schnell dürfte sich bei euch die Frage aufdrängen: Wer braucht so etwas? Nun - Unihertz sieht das Jelly nicht als Ersatz für euer Smartphone. Das 2,45 Zoll große Gerät ist als Notfall-Handy konzipiert und soll überall da zum Einsatz kommen, wo euer reguläres Smartphone zu sperrig ist, ihr aber nicht auf die Möglichkeit "Telefonieren zu können" verzichten wollt. Ein paar Beispiele:

  • Jelly kann beim Joggen eure GPS-Uhr oder Smartwatch ersetzen. Es ist klein genug, um in der Tasche einer Laufhose zu verschwinden, kann dank GPS-Modul eure Trainingsdaten tracken und via Bluetooth Musik an die Kopfhörer streamen. Solltet ihr unterwegs im Wald allein unglücklich umknicken, könnt ihr zudem anders als mit eurer Uhr über das Jelly Hilfe rufen.
  • Wer seinem Kind kein "richtiges" Smartphone kaufen will, aber auch kein Freund von Kinder-Smartwatches ist, findet in Jelly eine ähnlich kompakte Alternative. Mit den entsprechenden Apps lässt sich der Funktionsumfang einer Kidswatch nachstellen.

Haben wir euer Interesse geweckt? Dann lest nachfolgend, wie sich das Unihertz Jelly im Alltag schlägt.

Design und Verarbeitung

Das Jelly (Pro) wirkt auf den ersten Blick wie ein Feature-Phone. Echte Tasten weist es aber nur zum Einschalten des Smartphones sowie zur Regelung der Lautstärke auf. Unterhalb des Bildschirms befindet sich ein Kreis. Dabei handelt es sich um eine Sensor-Taste, mit der ihr zurück zum Startbildschirm gelangt. Links und rechts davon verbergen sich weitere Sensortasten für "Zurück" und "Multitasking". Ihre Position könnt ihr jedoch nur erahnen. Erst nach einem Druck auf die Fläche leuchten die Tasten auf.

In Sachen Verarbeitung ist das Jelly (Pro) ein echter Plastikbomber. Das Smartphone ist komplett aus Kunststoff gefertigt, der sich leider als sehr rutschig entpuppt. Allerdings machte der ein oder andere Sturz dem Jelly im Test nichts aus. Das Handy wirkt fast so robust wie das legendäre Nokia 3310.

Das Jelly Pro ist gerade einmal 2,45 Zoll groß.
Das Jelly Pro ist gerade einmal 2,45 Zoll groß. (Quelle: ogadget.com)

Ausstattung, Leistung und Bedienung

Was steckt unter dem Klavierplastik? Als Prozessor fungiert der Quad-Core-Chip MT6737M von MediaTek, der auch das Motorola Moto C antreibt. Er taktet im Jelly mit 1,1 Gigahertz und kann auf ein Gigabyte Arbeitsspeicher (RAM) zurückgreifen. Das Pro-Modell hebt sich übrigens lediglich durch eine bessere Speicherausstattung vom regulären Jelly ab. Mit 2 Gigabyte RAM und 16 Gigabyte Gerätespeicher steht euch hier doppelt so viel Platz wie bei der Basis-Variante zur Verfügung.

Wie zu erwarten ist die Leistung des Smartphones mäßig. Apps brauchen mitunter ein paar Sekunden, ehe sie starten. Dann liefen Runkeeper oder Google Maps jedoch einwandfrei und weitestgehend sogar flüssig, ebenso wie der Wechsel zwischen verschiedenen Apps und Menüs. Ein einfaches Video im Browser bringt den Prozessor zum glühen. Aber mal ganz ehrlich: Wer will auch schon eine Folge Stranger Things auf einem 2,45 Zoll großen Display mit einer Auflösung von 320 x 240 Pixeln genießen? Eins sei hier aber deutlich gesagt: Gemessen am Preis ist der Bildschirm des Jelly (Pro) klasse. So fallen die Blickwinkel hier deutlich größer aus als etwa bei der Konkurrenz von Motorola (Moto C) oder TP-Link (Neffos Y50.)

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Als Betriebssystem fungiert auf dem Jelly Pro Android 7.0 Nougat. An der Nutzeroberfläche hat Unihertz dabei kaum Änderungen vorgenommen. Lediglich die Bildschirmtastatur wurde auf die geringe Displaygröße perfekt optimiert. Wir hätten uns vor dem Test nicht träumen lassen, dass es sich so schnell und leicht auf dem Jelly (Pro) tippt. Nur selten mussten wir im Test unsere Eingaben korrigieren. Alternativ nutzt ihr Googles Sprachsteuerung - etwa, wenn ihr eine App bei Google Play sucht. Leider vernachlässigt Unihertz die Firmware bislang sträflich. Auf unserem Testgerät stammte der letzte Sicherheitspatch aus dem Juni. Seitdem hat Google bereits wieder fünf Patches veröffentlicht. Schön ist dafür, dass sich auf dem Gerät kaum Bloatware befindet. Unihertz hat lediglich einige praktische Apps ergänzt, die in Googles Android-Implementation fehlen - so etwa ein UKW-Radio, einen Dateimanager und ein Pedometer.

Sprachqualität

Bei der Sprachqualität enttäuscht das Jelly. Unser Gesprächspartner musste sich im Test arg anstrengen, um uns zu verstehen. Vermutlich ist der Abstand zwischen Mikrofon und Mund einfach viel zu groß, wenn ihr euch das Jelly ans Ohr haltet. Als wir über Lautsprecher telefoniert haben und das Jelly direkt vor unseren Mund hielten, wurde die Sprachqualität besser. Wahlweise lässt sich das Jelly Pro übrigens auch mit zwei SIM-Karten betreiben.

Akkulaufzeit

Das Jelly Pro bezieht Strom aus einem 900-Milliamperestunden-Akku. Das entspricht in etwa der Batterieleistung von zwei Smartwatches. Dementsprechend kurz ist die Laufzeit. Im Akku-Test von PCMark erreichte das Jelly Pro knapp vier Stunden. Beansprucht ihr das Jelly am Tag nur selten, kommt ihr mit einer Akkuladung also gerade so durch den Tag. Nutzt ihr es dagegen etwas intensiver, müsst ihr zwischendurch nachladen. Nach 40 Minuten Joggen, in denen das Jelly unsere Aktivitäten mit der App Runkeeper trackte, waren etwa schon 25 Prozent des Akkus verbraucht.

Überraschend: Trotz der geringen Batteriekapazität dauerte das Laden des Akkus im Test über zwei Stunden. Ein Netzteil legt Unihertz dem Smartphone nicht bei, lediglich ein USB-Kabel befindet sich in der Verpackung. Gott sei Dank lässt sich die Batterie bei Bedarf aber wechseln. Einen Ersatzakku erhaltet ihr im Online-Shop des Herstellers für 13 US-Dollar (circa 11 Euro).

Multimedia

Für alle Fälle bietet das Jelly Pro noch eine 2-Megapixel-Frontkamera sowie eine 8-Megapixel-Kamera auf der Rückseite. Viel erwarten dürft ihr von den Kameras nicht. Mit der Hauptkamera lassen sich bei guten Lichtverhältnissen aber durchaus brauchbare Schnappschüsse machen, die ihr mit ein wenig Nachbearbeitung auch auf Facebook oder Instagram teilen könnt. Ein paar Beispielbilder findet ihr in der folgenden Mediengalerie.

Jelly (Pro): Kamera-Samples

4 Bilder
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Preis und Verfügbarkeit

Das Mini-Smartphone ist seit November 2017 über Amazon Deutschland sowie den Online-Shop des Herstellers für knapp 115 Euro bestellbar. Allerdings bietet der Hersteller mittlerweile ausschließlich das Jelly Pro mit 2 Gigabyte Arbeitsspeicher und 16 Gigabyte Gerätespeicher an, das reguläre Jelly-Modell wurde vom Markt genommen. Erhältlich ist das putzige kleine Smartphone in den Farben Blau, Schwarz und Weiß.

Unihertz Jelly (Pro): Fazit

Interessant, aber nur für wenige Einsatzzwecke geeignet! 5.2/10

Trotz des kleinen Displays und der mäßigen Hardware läuft Android 7.0 auf dem Unihertz Jelly Pro sehr flüssig. Die Einsatzzwecke für das Mini-Smartphone sind jedoch begrenzt. Ihr solltet vor dem Kauf also prüfen, ob ihr wirklich zur Zielgruppe gehört, die der Hersteller auf seiner Homepage umreisst.

Das hat uns gefallen

  • kompakter Formfaktor
  • Bildschirmtastatur

Das hat uns nicht gefallen

  • Akku braucht sehr lange zum Laden
  • Sensor-Tasten leuchten nur beim Drücken
Testnote 5,2 von 10
Jan Kluczniok
Bewertet von Jan Kluczniok
5,0 / 10
Design und Verarbeitung

Design und Verarbeitung Designsprache, Farbauswahl, gewählte Materialien, Haptik und der so genannte Look & Feel des Geräts werden unter diesem Punkt bewertet.

5,0 / 10
Ausstattung und Bedienung

Ausstattung und Bedienung Display, Prozessor, Gerätespeicher, Betriebssystem und Nutzeroberfläche werden unter diesem Punkt bewertet.

3,0 / 10
Sprachqualität

Sprachqualität Wie klingen die Gesprächspartner? Gibt es Aussetzer in der Verbindung? Dies wird unter diesem Punkt bewertet.

4,0 / 10
Akkulaufzeit

Akkulaufzeit Lauf- und Ladezeiten des Akkus sowie die Bauweise (fest oder wechselbar) werden unter diesem Punkt bewertet

4,0 / 10
Multimedia

Multimedia Kamera, Lautsprecher sowie weitere Multimedia-Funktionen (zum Beispiel Infrarotsender) werden unter diesem Punkt bewertet.

Informationen zum Leihgerät

Das Testgerät wurde netzwelt leihweise für drei Wochen von Unihertz zur Verfügung gestellt.

Mehr zum Thema, wie wir mit Testgeräten verfahren, wie wir testen und den allgemeinen Leitfaden für unsere Redaktion findet ihr in unseren Transparenz-Richtlinien.

8
Leserwertung

Hier könnt ihr das Produkt Unihertz Jelly (Pro) selbst bewerten.

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Bestenlisten

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Einsortierung und Informationen zum Leihgerät

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